Erfahrungen und Einblicke in das Leben und Studieren in Utrecht

Auf Heineken können wir uns eineken

Für alle, die vorhaben demnächst in die Niederlande auszuwandern, habe ich einen sehr lesenswerten Tipp: Auf Heineken können wir uns eineken  von Kerstin Schweighöfer. Eine kleine Einführung über Land und Leute, die weit mehr bietet als die üblichen Klischees. Wie der Titel schon vermuten lässt, ist das Buch fröhlich, locker und mit viel Humor geschrieben. Es eignet sich also auch bestens als Urlaubslektüre.

Die Autorin lebt und arbeitet seit Anfang der Neunziger als Auslandskorrespondentin in den Niederlanden. Mit viel Liebe zum Detail beschreibt sie anhand ihrer eigenen Geschichte all jene ungewöhnlichen Sitten, über die man hier als Deutscher schon mal stolpern kann. Der Leser erfährt, was die Elfstedentocht (wörtlich: Elfstädtetour), ein bakfiets (wörtlich: Wannenfahrrad) oder ein krentenbol (Rosinenbrötchen) sind. Außerdem lernt er, dass es in den Niederlanden nicht nur lekker eten (leckeres Essen), sondern auch lekker weer (Wetter) und sogar lekker meisjes (Mädchen) gibt.

Das Buch bietet jedoch weit mehr, als eine Aneinanderreihung skurriler Anekdoten. Ob Coffee Shops, Homo-Rechte oder Sterbehilfe, jahrelang galten die Niederlande als weltoffenen, tolerant und progressiv. Doch rund um Millenniumwende wehte auf einmal ein anderer Wind. Die vielgepriesene Weltoffenheit und Toleranz begannen an allen Ecken und Enden zu bröckeln. Ob Islam oder Europäische Union – alles „Fremde“ schien auf einmal bedrohlich. Schweighöfer vermittelt dem Leser einen schlüssigen Überblick der gesellschaftlichen Entwicklungen seit Anfang der 90er Jahre.

Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass die letzten Kapitel über aktuellere Entwicklungen nur einen kleinen Teil des Buches ausmachen und ganz offensichtlich erst später hinzugefügt wurden. Einige (kleinere) Veränderungen bekommen dadurch zu wenig Aufmerksamkeit. Niederländische Frauen tragen heute nämlich sehr wohl Absätze (und was für welche!) und bei jungen Leuten ist von der oft zitierten kalvinistischen Sparsamkeit nicht mehr viel übrig. Dadurch besteht die Gefahr, dass Leser, die nicht selbst hier wohnen, Scheighöfers Eindrücke aus den Neunziger Jahren eins zu eins auf das Jahr 2012 projektieren, was zu einem verzehrten Bild führt.

Einen Großteil von Schweighöfers Beobachtungen konnte ich jedoch nur allzu gut wiedererkennen. In das eine oder andere ihrer Fettnäpfchen bin ich selbst auch schon mal getreten. Das Buch verspricht dem Leser ein „Wurst-Käs-Szenario“: Verliebt in einen Holländer. Beim Lesen stellt sich dann aber heraus, dass sich der „Wurst Käs“ als gar nicht so schlimm herausstellt.

Fazit: Eine sehr lesenswerte, unterhaltsame wie informative Holland-Analyse für alle Wahl-Niederländer oder solche, die es noch werden wollen.