Erfahrungen und Einblicke in das Leben und Studieren in Utrecht

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Einer der Gründe, warum es dich auf diesen Blog verschlagen haben könnte, ist vermutlich die Wahl eines Bachelorstudiengangs. Ich kann  mich noch gut an diese Zeit erinnern. Meine Eltern hatten gerade beschlossen, nach Holland zu ziehen. Ich musste mich also nicht nur für einen Studiengang, sondern auch für eine Stadt entscheiden. Ich weiß noch, wie ich spontan in Panik ausbrach und dachte, ich müsse jetzt erwachsen werden, und Sachen wie Steuererklärungen, Versicherungen, Mietverträge und sonstige viel zu erwachsene Dinge verstehen. Irgendwann hat man sich dann aber entschieden, hat einen Studiengang, ne Wohnung, und die schwierigen Entscheidungen sind schnell vergessen. Sachen wie Steuererklärungen und Mietverträge versteht man immer noch nicht so richtig, aber man hofft einfach auf’s Beste und kommt damit ganz gut durch. Auch über die Zukunft braucht man sich erstmal keine Gedanken mehr machen – man ist ja beschäftigt für die kommenden Jahre.

Was mir damals nur nicht bewusst war: die ganze Karusselfahrt fängt früher oder später wieder von vorn an. Dieses Mal aber Karusselfahrt Deluxe. Runde rückwärts? Klar! Kopfüber? Gar kein Thema. Anschnallen bitte, es wird holperig.

April 2011 stellte ich fest, dass ich fast alles fertig hatte – bis auf meine Bachelorarbeit und 2 Fächer. “Stellte ich fest” klingt sehr schicksalhaft, aber aufgrund meines unüblichen Studienwegs (mitten im Studiengang Uni wechseln und dann auch noch in ein anderes Land) waren sowohl ich als auch die fleißigen Bürokratie-Bienchen hier überfordert. Auf einmal war also klar, ich könnte – wenn ich die Bachelorarbeit in den Sommerferien schreiben würde – im September 2011 mit dem Master anfangen. Man, war das aufregend. Ich bin bei sämtlichen Studienberatern gewesen, hatte mit der Bachelorarbeit angefangen, war zum Master zugelassen. Ging alles doch recht einfach, und die Entscheidung war gar nicht schwierig. “Perfekt!”, dachte ich damals.

Bis auf… halt warte! Das ist ja gar keine Freistellung, sondern nur eine Befreiung. Ich brauchte das Praktikum nicht mehr machen, aber ich kriegte die Creditpoints auch nicht. Macht das Sinn? Nein. Fakt war aber, dass ich doch 15 CP extra brauchte, und die konnte ich nicht bis September aus dem Ärmel ziehen. Also gab es auch keinen Grund mehr, meinen ganzen Sommer der Bachelorarbeit zu opfern und wurde erst mal richtig in den Urlaub gefahren.

Nach dem Sommer habe ich dann meine Bachelorarbeit geschrieben und im November abgegeben (und bestanden). Die Hürde war überwunden, blieben die 15CP. Bachelor-Fächer wollte ich keine mehr belegen – ich fühlte mich zu oft wie ne Oma auf nem Kindergeburtstag. Also ein Praktikum, ein bisschen Berufserfahrung sammeln. Und schon ging das Karussel los: Was will ich? Am liebsten schreiben bei ner Zeitschrift. Wo? Ich liebe Utrecht zum Wohnen, aber die holländische Medienlandschaft ist immer noch nicht so ganz meins. Also, Deutschland? Amerika? Doch Holland? Und welchen Master danach? Wo? Und ist nicht das, was ich jetzt wähle, entscheidend für meine berufliche Zukunft? Fragen über Fragen.

Nach vielen schlaflosen Nächten, wochenlang Bewerbungen schreiben (und so tun als ob) und tatsächlich ganzen 3,5 verschickten Bewerbungen war das Resultat: ich hatte einen Praktikumsplatz bei der Neon in München – aber erst ab 1.8.2012. Dadurch kann ich zwar erst später mit dem Master anfangen – das ist mir aber zur Zeit ganz recht, da ich den ursprünglichen Master doch nicht mehr machen will. Ich plane im Februar 2013 einen anzufangen – wodurch die Auswahl recht beschränkt ist. Zum Glück! Zu viel Wahl ist halt unnötig anstrengend.

Die Moral der Geschicht’? Macht euch Sorgen nicht. ;)

Das hier mag eine spannende Zeit sein, und Entscheidungen treffen kann oft anstrengend sein. Aber ich wünsch’ euch allen da draußen, die ihr auch grad vor wichtigen (Studien-)Entscheidungen steht, dass ihr den Prozess genießen könnt. Ich stehe heute ganz woanders als ich vor 5 Jahren jemals geträumt hätte, aber ich bin sehr glücklich wo ich gerade bin. Und wer weiß, was noch kommt. Enjoy the ride – denn eine Karussellfahrt ist ja eigentlich was schönes.