Erfahrungen und Einblicke in das Leben und Studieren in Utrecht

Deutsche Sprache, hippe Sprache

“Ein heisse Kakao biiiitte” – “Genau!” – “Miiit Schlacksaaahne” – “Genau!” – “Wir siind von Doitschlaand” – “Genau!”. So oder so ähnlich verlief neulich der Dialog zwischen zwei Arbeitskollegen von mir (ich arbeite in einem Café). Der “Genau”-Kollege wiederholte das Wort noch gefühlte 20 Mal, weil er den Klang so toll fand. Als ich vor drei Jahren nach Holland gezogen bin, überraschte es mich immer wieder, wenn ich irgendwo holländische Freunde Deutsch sprechen hörte. Das führte zu komischen Momenten, in denen sie Angst hatten, dass ich ihr Deutsch total schlecht fände, und sie jedes Mal erklärten, dass das nichts mit mir zu tun habe und sie diese deutschen Wörter einfach so in ihre Sätze einbauten.

Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass sogar holländische Facebook-Stati Deutsch enthalten, Leute ihre Mails mit “viel SpaB” beenden (das ß wird oft für ein B angesehen) und ich auch auf der Arbeit immer mehr Deutsch höre – unabhängig davon ob man sich meiner Anwesenheit bewusst ist. Deutsch scheint stark im Kommen.

Anfangs konnte ich das noch nicht so richtig glauben, und vermutete, dass es an mir läge – schließlich übt man doch einen gewissen Einfluss auf sein Umfeld aus.  Doch scheinbar sind wir endlich in einem Zeitalter angekommen, lange genug nach dem zweitem Weltkrieg, in dem man das Nachbarland cool finden kann. Das Goethe-Institut hatte in 2011 10% mehr Anmeldungen für die deutschen Sprachkurse als im Vorjahr, im Vergleich zu vor 10 Jahren hat sich die Zahl sogar verdoppelt. (Quelle )

Aber nicht nur die offiziellen Institute profitieren von dem Deutschland-Hype. Grafik-Designer Mwah entwerfen Pullis mit “Ich liebe Rotterdam” und Shirts auf denen “Jetzt skate los!” steht. Mir gefällt der Hype gut. Zwar muss ich nicht unbedingt so ein Shirt besitzen, aber ich muss auch nicht mit negativen Reaktionen rechnen, wenn ich erzähle, dass ich (halb) Deutsch bin. Und das war in der Generation unserer Eltern definitiv noch der Fall. Ich bin froh, dass ich stattdessen vorlieb nehmen darf mit dem doch meist charmanten Deutsch mancher Holländer und mich über Videos wie dieses amüsieren darf.

German Expessionism from Henk Otte on Vimeo.

“Und meine Fingah tut weh!”