Erfahrungen und Einblicke in das Leben und Studieren in Utrecht

Complimentjes

Eine Eigenart der Holländer, neben der Verniedlichung von fast allem mit dem Suffix -je(s), ist das Komplimente machen.

Komplimente sind ja in Deutschland eher eine Seltenheit. Klar, man sagt sich schon mal, wenn was schön aussieht, gut gemacht ist, oder lecker schmeckt. Aber im Großen und Ganzen wird mit Komplimenten recht sparsam umgegangen, und sind diese regional bedingt manchmal auch recht fragwürdig. Im Schwarzwald kann man z.B. ein “Kann man essen.” schon als Lobeshymne einordnen. Dem anderen Geschlecht Komplimente machen ist darüber hinaus noch eine gefährliche Angelegenheit: der andere könnte ja denken, man hätte eine verborgene Agenda.

Holland liegt was das (und manch anderes) angeht, nicht nur geographisch sondern auch kulturell zwischen Deutschland und Amerika.  Ganz so dick aufgetragen wie bei die Amis wird hier zum Glück nicht, aber Komplimente sind hier schon ein fester Bestandteil des Alltags. Anfangs fiel mir das gar nicht so stark auf, aber irgendwann war ich auch infiziert. Man gibt allem und jedem Komplimente. Kleidung und Frisur sind ein häufiges Ziel der Komplimente, aber auch das Fahrrad, die Wohnung, oder das Handy werden “bekomplimentiert”. In der Praxis sieht das dann oft so aus: man trifft sich mit einem/r Freund/Freundin, sagt wie gut er/sie aussieht, geht irgendwo was essen/trinken, wiederholt mehrfach wie lecker es doch ist (auch bei einem Standard-Kaffee darf mehrfach gesagt werden “oooohh ist dieser Kaffee lecker!”). Das Wetter darf entweder gelobt werden, weil es so gut ist, oder aber es darf gelobt werden, wie gut es doch tut reinzukommen nach dem Regen oder der Kälte. So oder so wird eine positive Bilanz gezogen. Wenn man sich dann verabschiedet, ist es besonders wichtig um mindestens einmal zu erwähnen wie schön es war sich zu sehen, wie gut die gemeinsame Zeit war und dass man das doch ganz bald wiederholen müsse. Ein Ausbleiben einer dieser Höflichkeiten kann einen fiesen Nachgeschmack beim Anderen hinterlassen und ist deswegen zu vermeiden. Das ein Kompliment demnach oft auch keine Anmache ist, ist allgemein bekannt.

Nach kurzer Zeit fängt man selbst an, so unfassbar positiv und mit Komplimentkonfetti streuend durch die Gegend zu ziehen und sich und anderen Leuten ein gutes Gefühl zu vermitteln – was an sich ja durchaus erstrebenswert ist. Peinlich wird es dann, wenn man zurück ist in Deutschland und jeden mit positiven Worten überschüttet – und man sich kurz darauf fremdschämen muss, weil das Gegenüber doch recht schlecht mit Komplimenten in einer solchen Heftigkeit umgehen kann. Nun ja. Irgendwas ist ja immer.