Erfahrungen und Einblicke in das Leben und Studieren in Utrecht

Steffis dagboek: dinsdag*

Es ist, als ob das Wetter uns heute noch einmal daran erinnern wollte, dass der Alltag wieder begonnen hat. Als mein Wecker um 7:20 Uhr klingelt, regnet es in Strömen und in der Ferne hört man vereinzelt sogar dumpfes Donner-Grollen. Das ist eigentlich Wetter um erst mal im Bett zu bleiben. Doch mir bleibt keine Wahl, ich muss arbeiten.

Regenhose, Schirmmütze und frisch imprägnierte Schuhe – es nützt alles nichts: als ich nach 20 Fahrrad-Minuten bei meiner Arbeit ankomme, bin ich trotzdem pitschnass. Die halbe Abteilung scheint heute Morgen übrigens tatsächlich im Bett geblieben zu sein; an den meisten Schreibtischen herrscht gähnende Leere! Na gut, ehrlich ist ehrlich, das kommt wohl weniger durch das Wetter, als durch die Mai-Ferien (meivakantie), die die meisten Schulen diese Woche haben. Alle Mamas und Papas der Abteilung haben sich diese Woche also auch frei genommen.

Ich arbeite an zwei halben Tagen der Woche als Student-Assistent  in der Abteilung  Communicatie en Marketing der Uni. Heute treffe ich die letzten Vorbereitungen für einen Studien-Informationsmarkt an einer Schule in Iserlohn, auf dem morgen zwei unserer Studenten die Uni Utrecht zu präsentieren sollen. Um kurz vor eins ist es schon wieder (höchste) Zeit, mich wieder auf mein Fahrrad zu schwingen. Meine Vorlesung heute Nachmittag findet nämlich nicht auf dem Campus, sondern in der Innenstadt statt. Dem Himmel sein Dank –diesmal scheint es trocken zu bleiben!

Wie jede Woche erreiche ich das stattliche alte Gebäude direkt hinterm Utrechter Dom um 13:14 Uhr. Die Vorlesung beginnt um 13:15 Uhr. Ha, wieder mal geschafft! Nach drei Stunden Vorlesung und Diskussion über den Unterschied zwischen Human Rights Law (Menschenrechte) und Humanitarian Law (Kriegsrecht), und die Rolle des UN-Sicherheitsrats bei Humanitären Interventionen raucht mir der Kopf. Viel Stoff zum Nachdenken.

Eigentlich ist der Dienstagabend der traditionelle Abend meiner Studentenverbindung (SIB-Utrecht). So ein SIB-Abend fängt immer mit einem Vortrag eines Gastsprechers zu einem internationalen Thema an und danach ziehen wir gezellig met z‘n allen weiter in unsere  Stammkneipe. Meistens bin ich mit von der Partie, aber heute Abend habe ich mehr Lust auf einen ruhigen Abend zu Hause. Zum einen bedeutet so ein Kneipenabend nämlich meistens, dass ich am Mittwochmorgen erst später als geplant am Schreibtisch sitze. Zum anderen guckt mein Buch (The Covenant von Michener) mich heute irgendwie besonders herausfordernd an, als wollte es sagen, dass ich es in der letzten Zeit doch etwas vernachlässigt habe. Also erst noch zwei Stündchen an den Schreibtisch und dann Füße hoch, einen leckeren Kaffee und Keks dazu und eintauchen ins Südafrika des 19ten Jahrhunderts.

* Für all diejenigen, die schon immer mal wissen wollten, was ein Student eigentlich den ganzen Tag so macht, könnte diese Woche besonders interessant werden! In Steffis dagboek (Tagebuch) werde ich euch nämlich eine Woche lang an all dem teilhaben lassen, was ich hier in Utrecht so erlebe – keine weltbewegenden Storys, sondern einfach Eindrücke aus meinem Alltag.